Warum wir andere Meinungen aushalten müssen

 In LEBENSATHLET, Uncategorized

Im Nachgang kommt es mir wie ein schleichender Prozess vor. Streng genommen begann dieser aber bereits vor 10 Jahren im Laufe der Flüchtlingskrise. Was seitdem offensichtlich wurde verstärkte sich durch die Pandemie 2020 wie durch einen Katalysator.

Wir verlieren die Fähigkeiten, andere Meinungen anzuerkennen. Stattdessen lassen wir uns, insbesondere in soziale Medien, gegeneinander aufhetzen und in einfach strukturierte Lager teilen. Das „sowohl als auch“ weicht dem „entweder-oder“. Es wird immer weniger akzeptiert, dass sich Positionen überschneiden können. Stattdessen trennt man diese unversöhnlich durch weitere „Brandmauern“.

Äußerungen wollen inzwischen gut überlegt sein. Abwägende, persönliche Aussagen über aktuelle Themen können für den Verfasser in einer Sackgasse münden. Besonders auffällig ist das bei Themen, die in der Medienlandschaft emotional behandelt werden:

Die Kriege in der Ukraine und im Iran, die Causa Fernandes vs. Ulmen, der neue Oberbürgermeister in München, E-Mobilität vs. Verbrenner – all das sind nur einzelne Beispiele für die gilt:

Vorsicht Schublade – die Gefahr ist groß, schnell einer (!) Ecke“ zugeordnet zu werden. Dem/der jeweils anders Denkende wird nicht mit sachlichen (!) Argumenten entgegnet. Stattdessen treten persönliche (!) Beschimpfungen bis hin zu öffentlichen Verunglimpfungen.

Beliebte Raster sind

  • Links oder Rechts
  • Feminist/-in oder alter weißer Mann
  • Jung oder Alt
  • Fortschrittlich oder konservativ
  • E-Auto statt Verbrenner
  • Muslime gegen Juden, oder Christen gegen Muslime
  • Ost = böse versus West = gut
  • …u.v.m.

Menschen in zwei Lager zu teilen, macht es leichter Menschen zu manipulieren und Meinungen nutzbringend in einfache Richtungen zu leiten.

„Wir sind die Guten und die anderen die Bösen“ – was für ein irreführender, gefährlicher Unsinn. Noch nie gab es nur ein Schwarz, oder Weiß. Der Weg lag immer schon in der grauen Mitte. Unterschiedliche Positionen bedingen sich gegenseitig.

„Was wäre ein Tag, wenn es keine Nacht gäbe – Gut oder Schlecht ist immer eine Frage der Perspektive.“

Sich damit auseinanderzusetzen, erfordert Toleranz, Intellekt und Mühe. Erspart man sich diesen Weg, gibt man Populisten Macht und lässt der Manipulation freien Lauf.

Das kein politisches Statement, sondern ein Appell an uns alle, wie wir miteinander umgehen sollten. Bei allen ungünstigen Entwicklungen und wirklich unglücklichen Zuständen besitzen wir immer noch das Privileg, in einem Staat zu leben, der freie Meinungsäußerung und Demokratie großschreibt. Das sollte uns bewusst sein!

Das ist nicht selbstverständlich und keineswegs in Stein gemeißelt. Eine Renaissance des Austausches, des Zu-Hörens und der Kraft, andere Meinungen auszuhalten sind die Basis dafür.

Wir blicken erschrocken auf andere Staaten, die einen gefährlichen Trend zu Polarisierung eingeschlagen haben. Übertragen wir die Verantwortung nicht nur der Politik. Wir selbst haben es in der Hand im fairen, toleranten und konstruktiven Diskurs durch Abwägen der Positionen zu besten Lösungen für unsere zukünftige Gesellschaft zu finden.

Neueste Beiträge

Beginnen Sie mit der Eingabe und drücken Sie Enter, um zu suchen