Das große Mosaik des täglichen Durchschnitts

 In LEBENSATHLET

(Lebens-)Athleten kennen das Hochgefühl:

  • das besonders gelungene Training
  • die persönliche Bestleistung
  • ein besonders erfolgreicher Wettkampf

Es erfüllt uns mit Stolz und in einigen Fällen wird uns sogar Bewunderung zuteil. Diese besonderen Momente motivieren, zeichnen uns aus, können uns sogar prägen.

Doch das, was uns dazu befähigt, sind die kleinen alltäglichen Trainings, Einstellungen, scheinbaren Entbehrungen…. Nur auf einer stabilen Basis dieser scheinbar „durchschnittlichen“ Tätigkeiten können besondere Momente, Leistungen, Erlebnisse entstehen. Niemand kann aus dem Nichts etwas – wahrhaftig – besonderes leisten. Die wahre Leistung ist das tägliche Schaffen – jeder einzelne kleine Schritt.

Herausragende Leistungen können nicht alltäglich sein. Rekorde sind nicht „am laufenden Band“ möglich. Wir dürfen uns selbst und andere nicht mit diesen Erwartungen überfordern. Die wichtigste Zeit des Trainings und des Lebens besteht aus dem Beständigen, Durchschnittlichen.

Damit beschreibe ich einen (!) Aspekt der Tugend der Beharrlichkeit, ohne den Sportler nie ihre Ziele erreichen werden.

Das Niveau dieser Ziele ist dabei völlig irrelevant. Wir machen uns völlig unabhängig vom Druck, herausragende Erlebnisse/Leistungen zu realisieren. Wir sollten mit Freude den durchschnittlichen Herausforderungen begegnen. Das sind unsere permanenten Highlights, die uns zufriedener machen im Sport und im Alltag.

Wo begegnet mir diese Tugend im täglichen Leben?

Für die praktische Übersetzung dieser sportlichen Tugend gibt es nahezu unzählige Parallelen. Ich möchte Euch dazu ein paar Denkanstöße anhand einiger aktueller Beispiele aus völlig unterschiedlichen Bereichen geben. Reflektiert diese und viele mehr gerne in Eurer persönlichen Lebenssituation.

  1. Die letzten Wochen haben uns als Einzelpersonen und Gesellschaft vor völlig unbekannte Aufgaben gestellt. Viele sind daran gewachsen, haben außergewöhnliches geleistet – medizinisches Personal, Busfahrer, Apotheker, Mütter, Trainer, Wissenschaftler, Politiker, u.v.m.
    Völlig gleichgültig, in welchem Bereich diese Menschen hervortraten – es war nur auf einer stabilen Basis möglich.
  1. „Der größte Luxus ist der, den ich mir jeden Tag leisten kann“ – eines der Zitate, die mich persönlich am meisten leiten.
    Lasst uns Freude und Genugtuung an dem finden, was wir täglich im Kleinen leisten und uns gönnen. Weder der dreiwöchige Urlaub wird uns glücklich machen noch die anderen, oft künstlichen Ersatzbefriedigungen, wenn wir nicht mit unserem täglichen Schaffen zufrieden sind.
  1. „Black life matters“ – ein Schlagwort aus ganz aktuellem Zusammenhang: Es steht für mich für die Notwendigkeit, sich für Dinge nicht nur aktiv zu engagieren, sondern diese auch täglich zu praktizieren!
    Wir reden, diskutieren und demonstrieren mit völliger Berechtigung in vielerlei Hinsicht gegen Rassismus, für Gleichberechtigung und Freiheit, für Gerechtigkeit, für Klimaschutz, für Menschenrechte …. Doch bitte: Praktiziert Eure Anliegen auch in Eurem Alltag – dort haben sie die größte Reichweite.
  2. Es sind die kleinen, aber stetigen Gesten, die uns in der Familie und im Freundeskreis fast ein Leben lang zusammen halten.
    Was nutzt der Blumenstrauß zum Muttertag, die teure wertvolle Kette zum Hochzeitstag, das teure Geschenk für den Sohn/die Tochter? Mit diesen Oberflächlichkeiten streichen wir wie mit billiger Farbe der Bequemlichkeit nur über den Fleck unseres schlechten Gewissens. Sie wird abbröckeln!
    Warum zeigen wir unseren Nächsten nicht täglich in den kleinen Dingen: „Du bist mir wichtig“. Gerade in persönlichen Belangen sind es die kleinen stetigen Dinge, die verbinden: ehrlich(!) geschenkte Zeit, Verständnis und aufrichtige Reflektion.
    Das(!) ist anstrengend und wird nicht immer postwendend anerkannt, ja sogar manchmal boykottiert. Ehrliche Zuwendung allerdings erbringt man nicht in Erwartung, sondern von Herzen.

Jeder von uns kennt viele weitere Beispiele.

Persönlich empfand ich es eine besonders erfüllende Aufgabe, Euch in den letzten Wochen mit „lebensathletischen“ Argumenten zu unterstützen. Es ist mir aber eine besondere Freude, Euch jetzt wieder einfach nur als Trainer zur Verfügung zu stehen – authentisch, verlässlich und bodenständig.

Bild von KostenloseFotos.net

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